How to build mental toughness? (1)

How to build mental toughness

Wie stärken wir unsere mentale Fitness, um gut zu sein wenn’s drauf ankommt?

Interview mit Mentaltrainerin im Leistungssport Yvonne Meyer und was wir aus dem Leistungssport lernen können.

 

 

What’s inside? Table of Content

 

Wir stellen uns den Fragen:

  • Was ist Mentaltraining und was ist es im Leistungssport?
  • Welche Bedeutung hat die mentale Komponente für die individuelle Resilienz?
  • Was bringt mentales Training für nicht-Leistungssportler?
  • Wie können Führungskräfte und Verantwortungsträger ihre mentale Stärke trainieren?

Zur Person Yvonne Meyer: Leistungssportlerin, Trainerin, Mentaltraining

Key-Words: Mentaltraining, mental toughness, mentales Training, Resilienz

Das Interview wurde geführt im März 2026 zwischen Yvonne Meyer und Max Wedel von HumanOps Coaching

 

MW: Du bist ehemalige Führungskraft, Leistungssportlerin und vielfach ausgebildete Trainerin. Unter anderem bist du Sport-Mentaltrainerin. Ein sehr spannendes Spektrum! Was ist für dich Mentaltraining und was genau macht es im Sport besonders?

 

YM: Mentaltraining ist Gedankentraining – im engeren Sinne direkt an eine Bewegung gekoppelt wie z.B. im Olympischen Gewichtheben das Reißen, und im weiteren Sinne auf den Menschen als Gesamtsystem. Bedeutet, dass unser Denken unser Handeln unterstützen und unterstreichen soll. Wenn wir einen Klassiker aus dem Arbeitsalltag nehmen z.B. unser Verhalten in Gesprächen mit dem Chef oder eigenen Mitarbeitern – wer möchte ich sein / wie möchte ich mich meinem Gegenüber präsentieren und unterstützt das, was ich denke auch das, wie ich mich verhalte? Wirke ich authentisch oder lasse ich mich von dem Verhalten des anderen ablenken oder einschüchtern?

Anderes Beispiel aus dem privaten Bereich – wenn jemand seinen Alltag aktiver gestalten möchte, das aber nicht so recht hinbekommt. Hier kann man durch einfache Tools und mit Training die Gedanken so steuern, dass der innere Schweinehund oder die Gewohnheit überspielt wird und man erreicht, was man möchte.

 

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Mental-Coaching für mehr Performance im Sport

 

Im Leistungssport ist es ähnlich, der Kontext ist nur ein anderer. Wir möchten gut sein, wenn’s drauf ankommt, wir möchten performen und zeigen, was wir können. Zum einen brauchen wir natürlich die körperliche Leistung, das Können, um eine Sportart auf Leistungsniveau betreiben zu können. Hier kann das mentale Techniktraining unterstützen und verfeinern, bedeutet, dass wir lernen können, eine Bewegung bis ins allerkleinste Detail zu verstehen. Wenn der Kopf versteht, warum wir etwas tun, kann der Köper mit entsprechendem Training die Bewegung besser umsetzen und effizienter arbeiten. Das ist der Teil, wenn die Gedanken an eine Bewegung gekoppelt sind. Der allgemeine Teil bezieht sich auf alles andere – wie verhalte ich mich im Training, wie verhalte ich mich im Wettkampf, gibt es irgendwo Auffälligkeiten, die immer wieder auftreten, wie denke ich in solchen Momenten und ist mein Denken hilfreich für das, was ich erreichen möchte? Da ist jeder individuell, jeder hat seine eigenen Baustellen. Mein Job als Mentaltrainerin ist es, herauszufinden, wie ich dem Athleten helfen kann, es gibt keine Musterlösung, die für jeden funktioniert. Genau das macht es für mich so spannend – ich liebe es, herauszufinden, was für jemanden funktionieren kann, wie jemand besser wird und schlussendlich die Freude darüber, wenn Ziele erreicht und Fortschritt erzielt wird.

 

MW: Wenn wir über individuelle Resilienz sprechen, also einfach gesagt, der Fähigkeit unter Belastungen oder nach Rückschlägen zügig in eine gestärkte Ausgangsposition zurück zu pendeln, welchen Stellenwert würdest du der mentalen Komponente beimessen?

 

YM: Einen sehr hohen. Ich persönlich bin immer der Meinung, dass es hilft, wenn man sich selbst gut kennt und realistisch das eigene Können einschätzen kann. Stichwort realistische Selbsteinschätzung, inklusive allen Baustellen, die man so hat. Bedeutet, dass der Umgang mit Niederlagen besser und schneller verarbeitet werden kann, wenn man weiß, woran es gelegen hat. Wenn äußere Umstände zu Rückschlägen führen, ist der Umgang damit meist schwieriger, als wenn man selbst verantwortlich ist. Resilienz hat in meinen Augen viel mit den eigenen Gedanken zu tun – wie ist die Gedankenstruktur grundsätzlich aufgebaut, neige ich dazu, negativ zu denken oder bin ich eher Typ Optimist? Oder doch eher Realist? Kann ich Dinge akzeptieren oder habe ich Probleme damit, etwas als gegeben hinzunehmen, wenn ich es nicht beeinflussen kann? Resilienz ist eine Fähigkeit, die man sich aneignen und durch Mentaltraining erreicht werden kann – meist als Nebeneffekt.

 

MW: Was kann Mentaltraining für Nicht-Sportler ermöglichen? Ich denke da sowohl an berufliche als auch private Kontexte. Wie können Führungskräfte davon profitieren?

 

YM: Wie bereits im ersten Teil kurz angeschnitten, kann Mentaltraining uns in jedem Bereich unseres Lebens helfen, da ist es egal, ob beruflich, privat oder im sportlichen Kontext. Wenn wir auf einen Bereich spezialisiert trainieren, profitieren die anderen Bereiche ebenfalls davon – wir erinnern uns, Mentaltraining ist Gedankentraining; im weiteren Sinne auf das Gesamtsystem Mensch bezogen. Das beinhaltet jeden Bereich unseres Lebens.

Im beruflichen Kontext kann Mentaltraining dabei helfen, z.B. bei Vorträgen authentisch und entspannt zu bleiben, auch wenn Lampenfieber vorhanden ist. Als Führungskraft ist es wichtig, zu jeder Zeit ein sicheres Auftreten zu haben, auch wenn man sich vielleicht nicht immer so fühlt. In Stress- und Drucksituationen muss man einen klaren Kopf behalten und zielorientierte, durchdachte Entscheidungen treffen – das kann man 1:1 aus dem Sport übertragen, hier ist nur der Kontext ein anderer. Im Mentaltraining lernt man, wie man unter Druck und Stress gedanklich klar und bewusst bleiben kann, was als Folge hat, dass man besser und schneller reagieren kann. Zeit ist Geld, das Sprichwort kennen wir alle, vor allem im beruflichen Kontext wird dies großgeschrieben. Neben den genannten Punkten kann auch Entscheidungsfindung trainiert werden – manchmal tun wir uns schwer damit, Entscheidungen zu treffen. Wir zerlegen Probleme in Einzelteile, setzen sie wieder zusammen, erstellen Pläne mit Plan B Lösungen und haben einen kompletten Fahrplan, wie etwas gemacht werden kann, aber starten gar nicht erst mit dem ersten Step. Vom Denken ins Handeln kommen kann trainiert werden.

 

Sprinter
Human Performance durch Mental-Coaching

 

 

Vom Denken ins Handeln kommen – in Hinsicht auf persönliches hilft uns Mentaltraining ebenfalls. Bei persönlichen Zielen, wie z.B. abnehmen, mit dem Rauchen aufhören, mehr Sport machen, um mal die größten Klassiker der Gesellschaft zu nennen, kann Mentaltraining dabei helfen überhaupt erst mit etwas anzufangen und dann auch dranzubleiben.

Konzentrationstraining schreibe ich im Mentaltraining groß, es ist eins meiner Spezialgebiete. Konzentrationstraining hilft dabei, das eigene Handeln bewusster wahrzunehmen, was dazu führt, dass wir bewusster steuern können, wie wir uns verhalten. Unser Denken soll unser Handeln unterstützen – bewusst wahrnehmen, ob das der Fall ist, damit fangen wir an, das können die meisten von uns. Im Nachgang so zu steuern, dass wir auch zielorientiert handeln, da hört es meistens auf. Wie wäre es, die nächste Zigarette wegzulassen und stattdessen eine Runde um den Block zu gehen und z.B. dabei den Fokus darauf zu setzen, die Linien der Steine des Bürgersteigs nicht zu berühren – meistens kommt da sogar Spaß auf, weil wir uns an unsere Kindheit erinnern. Das ist Konzentrationstraining. Und gleichzeitig sogar Erholung, weil wir vom Kopf her Abstand von dem nehmen, was den Bedarf nach einer Zigarette ausgelöst hat.

Was ich bei mir selbst am meisten merke, ist, dass ich gut bin, wenn’s drauf ankommt – egal, ob im Wettkampf oder z.B. in einem Vorstellungsgespräch. Das jahrelange Training hilft mir enorm, ruhig und bewusst zu bleiben und situationsbedingt für mich die besten Entscheidungen zu treffen und vor allem auch meinen Standpunkt klar zu vertreten bzw. mich nicht verunsichern zu lassen. Auch als Trainerin hilft es mir, gegenüber meinen Athleten Ruhe auszustrahlen und sicher zu agieren, wenn sie es am meisten brauchen.

 

MW: Ich arbeite mit Führungskräften, Einsatzkräften, generell mit Verantwortungsträgern zusammen. Kannst du diesen Menschen in Führungsposition oder in herausfordernden Situation Tipps und konkrete Übungen mitgeben, damit sie ihre mentalen Fähigkeiten stärken können?

 

YM: Gerne – ein Prinzip, was ich selbst mit am meisten anwende, ist das

LEA-Prinzip: Lösen – Erholen – Aktivieren

Wenn wir uns von situationsbedingt nicht hilfreichen Gedanken oder Verhaltensweisen lösen wollen, egal ob negativ oder positiv (manchmal pusht uns Positives so sehr, dass wir uns auch davon lösen müssen, um klar zu denken und im Moment zu bleiben), dann hilft das LEA-Prinzip. Bewusstes lösen von der Situation, bewusstes erholen und bewusstes aktivieren, um so weiterzumachen, wie es gerade benötigt wird. Für jeden der drei Steps gibt es diverse Methoden, die man anwenden kann – da ist es individuell, was funktioniert und was nicht, das muss man ausprobieren.

Nächster Tipp – mein Standardspruch ist immer – lächle. Wer lächelt, kann nicht negativ denken. Selbst wenn es nur eine halbe Grimasse als Lächeln ist, das hilft auch schon, meist einfach, weil man über sich selbst dann lachen oder zumindest schmunzeln muss. Die Welt sieht mit einem Lächeln oder Grimassen-Lächeln gleich viel netter und leichter aus.

Mein dritter Tippfake it until you make it. Wenn wir uns unsicher in etwas fühlen, hinter etwas nicht stehen, wohinter wir aber stehen sollten, oder wir wissen, wie wir uns verhalten sollten, es allerdings grade nicht fühlen – fake it. Kopf und Körper lernen gemeinsam und wenn man immer wieder Verhaltensweisen bewusst nicht so an den Tag legt, wie wir uns grade fühlen, sondern so, wie wir möchten oder sollten, dann wird das zur Gewohnheit und irgendwann verhalten wir uns automatisch so, wie wir es wollen oder sollen. Da spielt klassische Konditionierung mit rein und kann sehr effektiv sein. Ich habe bewusst möchten und sollen angesprochen, da bei Menschen in Einsatzberufen, wo man funktionieren muss, das Soll bzw. Muss ein Thema ist – im privaten Kontext ist es eher das Möchten. Das sollte man separieren. Wann ist was erforderlich, nicht immer möchte man im privaten so sein wie im beruflichen bzw. in Einsätzen.

 

 

Zur Person

 

Mentaltrainerin Yvonne Meyer - coaching flensburg
Mentaltrainerin Yvonne Meyer

 

Yvonne Meyer ist aktive Wettkampfsportlerin und als Trainerin im Olympischen Gewichtheben, CrossFit und Mentaltraining im Breiten- und Leistungssport aktiv. Sie war Führungskraft bei Porsche und legt inzwischen ihren Fokus auf ihre Trainertätigkeit. Yvonne ist spezialisiert auf Technik, Effizienz und mentales Training. Im mentalen Bereich gehören Konzentrationstraining, mentale Wettkampfvorbereitung und mentales Techniktraining zu ihren Spezialgebieten.

Erreichbar ist sie unter ihrer Website https://evie-coaching.de/, LinkedIn und über den Deutschen Bundesverband Sportmentaltrainer (DBVS)

 

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