„Resilienz bedeutet für uns Wahlfreiheit“

Resilienz: Orientierung behalten zwischen Reiz und Reaktion

Leader, Unternehmer, Berater, Leistungssportler, Coach, Therapeut – Mit zusammen über 30 Jahren Erfahrung in Führung, Beratung und Therapie von Menschen vereint der RESILIENZWEG heute sehr viel Erfahrung. Ein guter Grund genauer nachzufragen! Coaching Insights: Interview zum Thema Resilienz und wie wir die Orientierung zwischen Reiz und Reaktion behalten.

 

Table of Content

In diesem Interview zum Thema Resilienz gehen wir den Fragen nach,

  • wie individuelle Resilienz verstanden werden kann,
  • welche Stellenwert die mentale Komponente dabei hat,
  • wo Defizite, aber auch Potentiale in der aktuell präsenten Resilienz-Thematik liegen,
  • welche einfachen Tools zur Steigerung der individuellen Resilienz im Alltag integriert werden können.

Das Interview wurde geführt zwischen Konstantinos Simeonidis und Torsten Machold von RESILIENZWEG und Max Wedel von HumanOps Coaching.

 

Resilienz ist heute fast ein Modebegriff. Was sind für euch Resilienz und Selbstführung?

Resilienz ist inzwischen ein Begriff, den viele benutzen – aber oft meinen alle etwas anderes. Darum starten wir gern mit einer Klärung: Woran würde man im Alltag merken, dass Resilienz da ist?

Für uns ist Resilienz kein „Durchhalten um jeden Preis“ und kein weiteres Optimierungsprogramm. Resilienz zeigt sich darin, ob jemand unter Spannung handlungsfähig bleibt – wenn es unsicher wird, wenn Erwartungen kollidieren, wenn Druck steigt. Nicht, weil alles leicht ist, sondern weil innerlich genug Spielraum da ist, um bewusst zu reagieren. Dieser Spielraum entsteht dort, wo zwischen Reiz und Reaktion eine kleine Pause möglich wird.

Viele kennen das: Eine Mail triggert, ein Satz im Meeting trifft einen Nerv, eine Entscheidung steht an – und man merkt, wie das System hochfährt. Resilienz bedeutet dann, nicht sofort in den Autopiloten zu gehen, sondern wahrzunehmen, zu regulieren und zu entscheiden. Selbstführung ist dafür die Grundlage. Sie beginnt weniger bei Disziplin oder Zielen, sondern bei der Beziehung zu sich selbst:

  • Wie gehe ich mit Druck um?
  • Wie spreche ich innerlich mit mir, wenn es eng wird?
  • Kann ich Spannung halten, ohne auszuweichen, zu kontrollieren oder zu eskalieren?

Im Resilienzweg verbinden wir diese innere Arbeit mit einem systemischen Blick, weil Resilienz sich nicht isoliert zeigt, sondern in Beziehungen, Kommunikation und Konflikten – und damit auch in Teams und Organisationen. Im Sport übersetzen wir das zusätzlich in Leistung und Belastungssteuerung.

Welchen Stellenwert hat für euch die mentale Komponente bei individueller Resilienz?

Mental ist für uns nicht „positiv denken“, sondern die Fähigkeit, innerlich wach zu bleiben, wenn es schwierig wird. Also zu merken: Was passiert gerade in mir – und was macht das mit meinem Handeln? In der Praxis sehen wir: Unter Druck springen alte Programme an. Manche gehen in Harmonisieren, andere in Kontrolle, manche in Rückzug, manche in Angriff. Das ist selten bewusst und fast nie „falsch“ – es sind Schutzmuster.

Die mentale Komponente bedeutet dann, diese Muster früh zu erkennen und so zu regulieren, dass wieder Wahlfreiheit entsteht. Diese Wahlfreiheit hat direkte Wirkung nach außen. Wer innerlich reguliert bleibt, kann klarer sprechen, Grenzen setzen, Konflikte führen und Entscheidungen treffen – ohne Beziehung zu zerstören. In diesem Sinn ist die mentale Ebene kein Zusatz, sondern das Zentrum individueller Resilienz: Sie macht Verhalten überhaupt gestaltbar.

 

Ihr vereint viel Expertise. Wo seht ihr Defizite in der Resilienz-Thematik – und wo das größte Potenzial?

Wir würden nicht behaupten, dass es den einen richtigen Weg gibt. Was wir sagen können, ist: Was wir aus eigener Verantwortungserfahrung und aus vielen Begleitungen beobachten. Konstantinos war über 20 Jahre Unternehmer und Berater, ich (Torsten) über ein Jahrzehnt Führungskraft in einem mittelständischen Unternehmen. Wir kennen Entscheidungsdruck, Zielkonflikte, Überlastung und die typischen Muster nicht nur aus der Begleitung – sondern auch aus unserer eigenen Biografie. Und genau deshalb schauen wir bei Resilienz weniger auf Schlagworte und mehr auf das, was Menschen im Alltag tatsächlich hilft.

Defizit

Ein Defizit in der Resilienz-Debatte ist die Einseitigkeit. Entweder wird Resilienz zur Privatsache erklärt – „Du musst halt resilienter werden“ – oder man glaubt, über Prozesse und Strukturen allein werde es besser. Beides kann stimmen, aber selten allein.

Belastung entsteht meist in Wechselwirkungen: zwischen Person, Beziehung und System. Spannend ist: Die Kontexte ändern sich – die Muster darunter sind erstaunlich ähnlich. Im Sport sehen wir sie genauso wie in Führung oder in Beziehungen. Unter Druck greifen Menschen auf ähnliche Schutzstrategien zurück: Harmonie sichern, Kontrolle erhöhen, Rückzug, Angriff, Überverantwortung.

In der Betreuung von Athlet:innen kommen diese Muster genauso ans Licht wie bei Führungskräften. In Paar- und Beziehungsdynamiken zeigt sich dasselbe systemisch – nur mit anderer Oberfläche. Gerade in Organisationen wird deutlich, wie stark Rahmenbedingungen Verhalten prägen: Rollenunklarheit, Zielkonflikte, verdeckte Macht, Entscheidungsstaus oder Dauerüberlastung wirken wie permanente Trigger. Das führt zu Reibung, Rückzug oder Eskalation – und wird dann häufig als „persönliches Problem“ gedeutet.

Resilienz-Coaching gegen Burnout
Resilienz-Coaching gegen Burnout

Beim Thema Burnout sehen wir oft, wie sich Muster und Rahmenbedingungen gegenseitig verstärken: Hohe Anforderungen treffen auf unklare Orientierung und Menschen kompensieren mit Perfektionismus, Kontrolle oder ständiger Verfügbarkeit – bis es kippt. Hinzu kommt der digitale Raum als Beschleuniger. Vieles eskaliert heute nicht im Besprechungsraum, sondern im Postfach oder im Chat: Ton fehlt, Kontext fehlt, Beziehungssignale fehlen. Klärung wird ersetzt durch Schreiben, CC-Schleifen oder Rückzug. Konflikte verschwinden scheinbar – tauchen dann aber als Stimmung, Widerstand oder stille Kündigung wieder auf. Mit KI kommt eine zusätzliche Ambivalenz dazu: enorme Möglichkeiten und gleichzeitig Unsicherheit, Vergleich, Tempo, Kontrollverlust. Diese Spannung erleben wir aktuell sehr präsent.

Defizite als nutzbares Potential

Das größte Defizit ist aus unserer Sicht, dass Individuum, Beziehung, Struktur und digitaler Kontext zu selten zusammen gedacht werden. Das größte Potenzial liegt genau in dieser Verbindung. Wenn Selbstführung, Konfliktfähigkeit und systemische Klarheit zusammenspielen, wird Resilienz im Alltag greifbar: Spannungen werden ansprechbar, Entscheidungen tragfähiger, Zusammenarbeit stabiler – besonders unter Druck.

Was sind wiederkehrende Anlässe eurer Klient:innen – und wie kann man sich ein Resilienz-Coaching bei euch vorstellen?

Die Anlässe ähneln sich stark: Druck steigt, Orientierung sinkt. Viele kommen, weil sie merken, dass etwas kippt – oft schleichend: zu viel Verantwortung, zu wenig Klarheit, schwierige Gespräche, Konflikte an Schnittstellen, Entscheidungsstau, hohe Ambiguität. Häufig geht es um Grenzen, Sicherheit, Kommunikation und Konfliktfähigkeit. Ein wiederkehrendes Muster ist der Umgang mit Spannung. Viele Menschen sind sehr leistungsfähig, aber wenig geübt darin, Unklarheit, Widerspruch oder Frustration zu halten. Dann passieren typische Dinge: Man harmonisiert, vermeidet, kontrolliert – oder eskaliert irgendwann. Im Alltag zeigt sich das in unausgesprochenen Themen, vertagten Entscheidungen, Verantwortungsdiffusion oder Reibung zwischen Bereichen. In Führung kippt es oft in Überanpassung oder Überkontrolle. Ein Coaching bei uns ist deshalb kein „Reden über Stress“, sondern ein strukturierter Prozess, der alltagstauglich bleibt. Wir arbeiten auf drei Ebenen:

 

  • Innenraum / Selbstführung: Reiz-Reaktionsmuster erkennen, Wahrnehmung und Regulation stärken, inneren Spielraum erweitern.
  • Beziehungsraum / Kommunikation: konkrete Gespräche und Konfliktsituationen bearbeiten – Klarheit, Grenzen, Feedback, Umgang mit Emotionen.
  • System / Kontext: Rollen, Erwartungen, Entscheidungslogiken und Dynamiken klären, die Muster verstärken. Ziel ist nicht Konfliktfreiheit oder Dauerharmonie, sondern Handlungsfähigkeit: Dinge ansprechbar machen, Entscheidungen treffen, Beziehung stabil halten – gerade dann, wenn es unbequem wird.

Was gebt ihr euren Klient:innen an die Hand, damit sie selbstständig an ihrer Resilienz arbeiten können?

Wir geben bewusst keine Tool-Sammlungen mit, sondern wenige Dinge, die im Alltag funktionieren – besonders bei hoher Taktung.

 

#1 Reiz–Reaktions-Check (30–60 Sekunden)

1. Was war der Reiz?

2. Was ist meine automatische Reaktion?

3. Was wäre jetzt eine hilfreiche Haltung?

Das schafft Abstand und bringt Wahlfreiheit zurück.

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#2 Somatische Marker – Körper als Frühwarnsystem

Viele merken Stress zuerst körperlich: Kiefer, Brustkorb, flacher Atem, Unruhe. Wer seine Marker kennt, kann früher regulieren – über Atmung, Bodenkontakt, Tempo rausnehmen oder einen inneren Stoppsatz. Das verhindert, dass man erst reagiert, wenn es schon kippt.

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#3 Zielbild + 3–2–1 Reflexion (2 Minuten)

Ein klares Zielbild:

Wie will ich in der nächsten ähnlichen Situation sein?

 

Und als kurze Routine:

3 Dinge, die gut gelaufen sind

2 Dinge, die ich gelernt habe

1 Sache, die ich beim nächsten Mal lasse.

Optional integrieren wir – wenn es passt – auch den Körper als Regulationsweg, zum Beispiel über Ausdauer. Nicht als Zusatzprogramm, sondern als realistische Routine, die Nervensystem, Energie und Stressverarbeitung stabilisiert.

Wo findet man euch und wie gestaltet sich die Zusammenarbeit?

Man findet uns über resilienzweg.de Wir arbeiten vor Ort in unseren Räumen in Mannheim und Berlin sowie bundesweit – im 1:1 mit Führungskräften und Verantwortungsträger:innen, in Team-Workshops und in OE-Formaten. Vieles ist hybrid oder digital möglich. Der Einstieg ist ein kurzes Kennenlernen. Dort klären wir den Anlass und die pragmatische Frage: Woran würde man in ein paar Wochen merken, dass es besser läuft? Daraus entsteht das passende Format – vom fokussierten 1:1-Sparring bis zum Teamtag oder einer Begleitung über mehrere Monate. Die Zusammenarbeit folgt einem klaren Ablauf:

  • Stabilisierung und Orientierung,
  • Muster sichtbar machen,
  • konkrete Situationen bearbeiten und Transfer sichern.

Wichtig ist uns: Es muss im Alltag funktionieren – nicht nur im Gespräch. Was uns auszeichnet, ist die Verbindung von innerer Selbstführung, Beziehungsgestaltung und organisationaler Klarheit – getragen von eigener Verantwortungserfahrung und ergänzt um den Blick auf digitale Dynamiken als Verstärker von Tempo, Missverständnissen und Reaktivität. Resilienz wird dadurch nicht zum Konzept, sondern zu einer Fähigkeit, die trägt, wenn es wirklich darauf ankommt.

Resilienz-Weg Inhaber
RESILIENZWEG – Die Inhaber Costas Simeonidis und Torsten Machold

Disclaimer

Unter htps://resilienzweg.de können Sie mehr über Resilienzweg erfahren, und hier über die Interviewpartner Konstantinos Simeonidis und Torsten Machold.

Die Vorgestellten Übungen finden Sie als einfaches Bundle im Free Download-Bereich.

Sollten Sie mehr Interesse am Thema Resilienz und Selbstführung haben, sich aber noch unsicher sein, ob ein Resilienzcoaching etwas für Sie ist, dann schauen Sie in die anderen Beiträge zum Thema Resilienz und Selbstführung im Magazin vorbei, oder schreiben mir eine Nachricht.

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Inhaber-Bild von Resilienzweg

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